Die drei Pietracuta
In dem Gebiet, in dem sich heute Pietracuta befindet, gab es in der spätrömischen Zeit lediglich die Siedlung des heutigen Ortes Libiano.
Der Name leitet sich vom lateinischen „Livianum praedium“ ab, was so viel bedeutet wie „Land von Livius“ – das römische Großgrundgut aus der Spätkaiserzeit, das Livius gehörte.
Von Livianus über Libianus bis hin zu Libiano.
In den folgenden Jahrhunderten bildete sich auf dem Felsen oberhalb des heutigen Pietracuta eine Gemeinschaft von Menschen. Dieser Felsen mit seinen steilen Hängen war eben ein „pietra acuta“ – eine Festung mit einer kleinen, daran angeschlossenen Siedlung.
Dieses Gebiet wurde im Jahr 962 n. Chr. von Kaiser Otto I. in das Lehen des Grafen Ulderico von Carpegna, genannt Ulderico der Sächsische, eingliedern, der bereits vom Kaiser selbst zum Grafen ernannt worden war, da Ulderico Otto während des kaiserlichen Feldzugs in Italien gegen Berengar II. von Ivrea treu gedient hatte.

Uldericos Sohn, Nolfo, Graf von Pietracuta, befestigte im Jahr 996 seine Burg sowohl auf der Felsenfestung als auch entlang der Stadtmauern.
Auf einem Türsturz der Festung stand „Nulfus Carpineus Comes“, also Nolfo, Graf von Carpegna.
Die Nachkommen von Nolfo besaßen die Burg bis zum Jahr 1221, als die Bevölkerung von Pietracuta sie gegen Bezahlung von den Grafen von Carpegna zurückkaufte.
Das Gebiet der Rocca di Pietracuta mit dem dazugehörigen Dorf ging später an die Herzöge von Urbino über, die Nachkommen der Grafen von Carpegna waren und die Burg in den Gerichtsbezirk von San Leo eingliederten.
Anschließend gehörte die Festung etwa 70 Jahre lang zum Gebiet von San Marino, bevor sie wieder an San Leo zurückfiel.
Der Ort ist heute verlassen.
Die wohlhabenden Großgrundbesitzerfamilien von San Leo begannen im 17. Jahrhundert, ihre Villen in der Ebene an der Stelle zu errichten, an der heute das Dorf Pietracuta liegt.
Sie ließen sie errichten, um einerseits einen angenehmeren Sommeraufenthalt in einer reizvollen Gegend in der Nähe des Flusses Marecchia zu genießen, wo das Winterklima milder ist als in San Leo, und andererseits aus logistischen Gründen, da dort die Straße verlief, die vom oberen Marecchia-Tal nach Rimini führte.
Die in der Ebene entstandene Siedlung behielt den Namen der mittelalterlichen Siedlung bei, die auf dem Gipfel des darüber liegenden Felsens lag.
Es sei daran erinnert, dass sich die Poststation für Pferde auf der Höhe des heutigen Ortsteils Ponte Verucchio, unweit von Pietracuta, befand.
So entwickelte sich nach und nach die Ortschaft Pietracuta, deren Wohnhäuser zu festen Wohnsitzen wurden.
Von Gaetano Dini
